Tag 1
Als ich mit dem Bus vom Bahnhof in Walldorf ins Industriegebiet fuhr, war ich erstmal komplett erschlagen.
Wenn man mittendrin steht, sieht es etwas so aus, als hätte SAP die Stadt übernommen
Als erstes auf der “Agenda” stand ein Kennenlernspiel (heeeey!) im Ich-packe-meinen-Koffer-Style. Etwas komisch, aber ein Großteil der Namen hat sich dadurch relativ schnell festgesetzt. “Björn der Bär” lässt sich doch einfacher merken als einfach nur “Björn”. Dann gings auch schon in die erste “offizielle” Kaffeepause, an der wir uns meist zu dritt oder viert an einem Tisch bei einem Heißgetränk (die Kaffeeautomaten bei SAP sind top!) etwas näher kennen lernten.
Den Rest des Tages füllten Vorträge von Studierenden, Angestellten und sogar Abteilungsleitern über ihre Fachrichtung. Bei SAP werden zum Dualen Studium angeboten: BWL, Wirtschaftsinformatik, Angewandte Informatik und Fremdsprachenkorrespondentin. Fachinformatik als Ausbildungsgang.
Der Rest des Tages lief so ab, dass eine Präsentation auf allen Bildschirmen gezeigt wurde und die Leute dazu ihre Aufgaben, ihren Alltag, etc. präsentierten. Die PowerPoint-Folien sahen durchweg sehr professionell und generell nach dem, was man sich unter “serious business” vorstellt aus. Allerdings merkte man nach der 3. Präsentation deutlich, dass es einfach immer die gleiche Folienvorlage, die gleichen Bilder und die gleichen fast schon abgedroschenen Phrasen waren, die immer neu “kombiniert” wurden, wodurch der Anschein der Professionalität etwas in Frage gestellt wurde.
Etwas schade fand ich, dass so gut wie jeder Vortrag erneut eine Einführung in SAP und teils auch eine Beschreibung der Vorteile eines Dualen Studiums bei SAP enthielt. Ein- oder maximal zweimal war das angebracht, danach war es ziemlich unnötig. Da hätte mehr aus der Zeit gemacht werden können… Nichtsdestotrotz war die Vorstellung der verschiedenen Abstufungen zwischen BWL und Informatik bei SAP sehr nützlich.
Der meiner Meinung nach “beste” Vortrag war vom Ausbildungsleiter der Angewandten Informatik, der als einziger keine ausgeklügelte PowerPoint-Präsentation hatte, denn er “braucht sowas nicht”
Er unterschied sich auch stark von den anderen Vortragenden, da bisher alle für ihren Zweig warben und jedem ans Herz legten, das doch mal auszuprobieren. Der Abteilungsleiter der Angewandten Informatik grenzte sich hier stark ab, da er keine Leute wolle, die “Word als Informatik und HTML als Programmiersprache bezeichnen“.
Nach den vielen Vorstellungen der verschiedenen Orientierungen dürfte jedem klar gewesen sein, was ein Duales Studium bei SAP bedeutet.
Ein Duales Studium ist im Gegensatz zum Universitäts-Studium gleichzeitig auch ein bisschen eine Ausbildung. Man geht mit einer Firma (in diesem Fall SAP) einen Ausbildungsvertrag ein und die Firma bezahlt einem das Studium. Letzteres wird in regelmäßigen Abschnitten (3 Monate) unterbrochen von Praxiseinheiten in der Firma, man arbeitet also während dem Studium schon in dem Betrieb, der einen später (wahrscheinlich) übernimmt.Die Kehrseite der Medaille ist dadurch natürlich, dass das Studium stressig wird. Die Praxiseinheiten nagen an der eh schon knappen Zeit für das Studium. Weiterhin wird man im Gegensatz zum Universitätsstudium relativ stark auf eine Firma fixiert und ist nicht so universell einsetzbar. Ein weiterer Wermutstropfen: Viele Firmen (unter anderem SAP) möchten nicht, dass man nach dem Bachelor noch den Master macht, aus dem einfachen Grund, dass sie nur einen Bachelor “benötigen”, ein Master-Studium weitere Kosten verursacht und die Absolventen so an die Firma gebunden werden (da sie keinen Master haben, stehen ihre Wechselchancen nicht so hoch).